Bildungsarbeit und Sensibilisierung

Bildung im Kontext einer sozial-ökologischen Transformation – Zwischen individuellem Handeln und gesellschaftlichen Strukturen sowie zwischen Theologie und Praxis

Leitbild für unser Handeln ist die Vision von einem Reich Gottes, in dem alle Tränen getrocknet und keine Klage mehr sein wird (Off 21,4)

In der Befreiung des Volkes Israel aus der Knechtschaft erweist sich Gott als Gott der Freiheit und als Wahrer der Achtung vor dem Leben. Jesus verbindet seine Einladung zum Glauben mit dem Ruf zur Umkehr und zum Protest gegen ein System, das Lebensgrundlagen zerstört und Menschen ihrer Würde beraubt. Er nimmt die alttestamentliche Verheißung von Befreiung und Heilung auf: „Der Geist des Herrn ist auf mir, … zu verkündigen das Evangelium den Armen, … zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen“
(Lk 4,16-30).

Christinnen und Christen lernen gemeinsam mit anderen Menschen, sich als mündige Bürger/innen zu verstehen und engagieren sich in verschiedenen Zusammenhängen für eine global nachhaltige Entwicklung; sie treten ein für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der
Schöpfung, und sie sind bereit, mit ihren Möglichkeiten die Bemühungen um
eine sozialökologische Transformation voranzutreiben.

Transformative Bildung bedeutet für uns, die Lebens- und Produktionsweisen im Globalen Norden zu hinterfragen und zu verändern. Ziel ist es, die aktuelle „imperiale Lebensweise“ durch „solidarische Lebens- und Produktionsweisen“ abzulösen. Das „gute Leben“ weniger Menschen darf nicht länger auf Kosten vieler anderer geführt werden. „Ökologisch“ und „solidarisch“ dienen als Kompass, der die Richtung des Wandels anzeigt. Wir plädieren deshalb für eine „transformative Bildung“, die an die Wurzeln globaler Herausforderungen geht. Sie ist an einer kritisch-emanzipatorischen Gesellschaftsgestaltung ausgerichtet und begreift auch das Lernen selbst als kritisch-emanzipatorisch.

Transformative Bildung fragt, welche Interessen und Machtverhältnisse mit den aktuellen Krisen und den vorgeschlagenen Lösungen verbunden sind. Sie thematisiert Diskriminierung und Ausbeutung und bringt wenig berücksichtigte Perspektiven in die Diskussion um gesellschaftliche
Transformation ein, z.B. postkoloniale oder feministische Perspektiven. Eine so verstandene Bildung
nimmt auch politische Antworten auf gegenwärtige Herausforderungen in den Blick. Ein wichtiges Ziel dabei ist, kritisches Hinterfragen als Basis politischer Mündigkeit zu fördern. Kritisch-emanzipatorische Bildung die zum Hinterfragen bestehender Denkmuster anregt, führt oft zu Irritationen, aber auch zu Inspirationen, die Lust auf Neues machen.
Daher braucht es sichere Lernräume, um sich auf ein Hinterfragen gewohnter Denk- und Handlungsweisen einzulassen. Irritation und Inspiration finden nicht nur im Denken statt, sondern beziehen auch unseren Körper, unser Fühlen und unsere Emotionen mit ein. Angst- und
Ohnmachtserfahrungen Raum zu geben, gehört genauso dazu wie die Gestaltung berührender und ermutigender Lernräume. Es geht dabei einerseits um die Auseinandersetzung mit
der eigenen Rolle in der Gesellschaft, um Privilegien, Ungleichheit und Diskriminierung, andererseits um gesellschaftliche Utopien und um zukunftsfähige Vorstellungen eines guten Lebens. Dafür können z.B. soziale Bewegungen und gelebte solidarische Alternativen Inspiration bieten. Wir können solidarisch wirtschaftende Projekte oder soziale Bewegungen sichtbar machen und von ihrer Praxis lernen.
Eine solche Bildung bietet so auch Orientierungen für persönliche Quellen guten Lebens wie Solidarität, Zeitwohlstand, Teilhabe und Gleichberechtigung. Diese Lernräume bieten aus unserer Sicht idealerweise die Kirchgemeinden.

Wie ermutigen wir Menschen, sich auf „tiefgehende“ Reflexionsprozesse
einzulassen?

In Austauschräumen können wir miteinander bestehende Haltungen und Ansätze reflektieren und weiterentwickeln sowie machtkritische Perspektiven zusammenbringen.

www.bildung-macht-zukunft.de