FairTeiler

Mit dem Lebensmitteltauschschrank „FairTeiler“ probieren wir aus, wie es sich tatsächlich anfühlt geldfrei und ohne jegliche Gegenleistung Lebensmittel zu erhalten und abzugeben. Zudem begegnen wir damit der unglaublichen Lebensmittelverschwendung, die inzwischen in unserem Land gang und gäbe ist.

18 Mio. Tonnen Lebensmittel landen jährlich allein in Deutschland im Müll – 39% davon kommen aus Privathaushalten. Aber wenn es Orte gäbe, an denen man die Scheiben Brot, die man nicht mehr vor dem Wochenendausflug schafft zu essen, mit anderen teilen könnte – oder wenn auch Märkte ihre Waren, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben und deswegen nicht mehr verkauft werden dürfen, anderweitig weitergeben würden, könnten wir bis zu 58% der Lebensmittel, die momentan im Müll landen, retten!

Die Idee stammt vom Berliner Verein foodsharing e.V.. Inzwischen ist die Idee des Essen Teilens zu einer internationalen Bewegung mit über 200.000 registrierten Nutzer*innen in ganz Europa angewachsen. In Kooperation mit Freiwilligen des Vereins und mit der Unterstützung des Projekts Nachhaltige Johannstadt 2025 haben wir im Januar 2020 zunächst einen ungekühlten Schrank zum Austausch von überflüssigen Lebensmitteln aufgestellt. Im Mai ist dank einer Spende der Dresdner Tafel sogar ein Kühlschrank dazu gekommen. Gemeinsam mit foodsharing e.V. kümmert sich die Gemeinde Johannes-Kreuz-Lukas um die Betreuung, die Reinigung und Pflege der Schränke. In WhatsApp- und Threema-Gruppen können sich Interessierte regelmäßig informieren, was derzeit vorhanden ist.

Eine Kurzgeschichte vom Segen

Es ist ein sommerlicher Nachmittag und ich warte vorm Gemeindehaus auf zwei Konfirmanden mit denen ich mich zum Gespräch im Garten verabredet habe. Da sehe ich diesen älteren Herrn die Treppe runter zum Fair-Teiler unserem Lebensmittelrettungsschrank huschen. Ich kenne ihn schon, da er mehrmals die Woche vorbeischaut, flinken Fußes um zu schauen, ob was da ist. Letztens hatten wir auch ein kurzes Wort gewechselt. Ich hatte mich ihm vorgestellt, damals war er eher wortkarg. Umso überraschter bin ich als er auf mich zustürmt und eine Redeschwall aus ihm herausbricht.  Er wollte mir das immer schon mal sagen, dieser Lebensmittelschrank sei eine tolle Sache, auch wenn nicht immer was drin ist, aber sehr oft würde er was Leckeres finden. „Es ist immer eine Überraschung, vor allem aber eine große Abwechslung.“ meint er und zählt auf, was er alles neues entdeckt und neu probiert hat. Es sei wie einkaufen und er hätte sich noch nicht so abwechslungsreich ernährt wie in den letzten Wochen seitdem er hier vorbeikommt. „Dieser Sache mit dem Schrank, dass ist wirklich ein Segen Herr Pfarrer.“ Ich bin sprachlos über diese Wortwahl und fühle mich gesegnet. Ja ein Segen ist dieser Schrank in der Tat, da er Begegnungen ermöglicht, die vorher nicht denkbar waren. Der Mann ist schon davongehuscht . Innerlich gebe ich ihm den Segen weiter: „Auch dich will ich segnen und du sollst ein Segen sein.“

Tobias Funke